CO₂e-Bilanz statt Bauchgefühl: Was verursacht Ihr Event wirklich?
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Rund zehn Tonnen CO₂e pro Kopf – jedes Jahr
Wie viele Treibhausgasemissionen verursacht eigentlich unser Alltag? In Deutschland lag der konsumbezogene Treibhausgas-Fußabdruck 2023 bei durchschnittlich 10,8 Tonnen CO₂e pro Person. Der EU-Durchschnitt betrug 9,0 Tonnen. Damit liegt Deutschland rund 20 Prozent über dem europäischen Mittel. Eingerechnet werden auch Emissionen, die bei der Herstellung importierter Waren und Dienstleistungen entstehen.
Hinzu kommen neue, stark wachsende Emissionstreiber. Das weltweite Bitcoin-Netzwerk benötigt nach Berechnungen der Universität Cambridge jährlich rund 138 Terawattstunden Strom und verursacht etwa 39,8 Millionen Tonnen CO₂e.
Auch künstliche Intelligenz ist nicht immateriell. Hinter jeder Anwendung stehen Rechenzentren, Server, Kühlsysteme und Stromnetze. Der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren könnte sich bis 2030 auf rund 945 Terawattstunden mehr als verdoppeln. KI ist dabei ein wesentlicher Wachstumstreiber.
Ob Mobilität, Konsum, Kryptowährungen, KI oder Veranstaltungen: Ein großer Teil der Klimawirkung bleibt zunächst unsichtbar, weil die Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette entstehen.
Das gilt auch für Events.
Eine Veranstaltung kann regional organisiert, weitgehend plastikfrei und mit vegetarischem Catering durchgeführt werden – und trotzdem einen erheblichen CO₂e-Fußabdruck verursachen. Etwa durch die Anreise der Gäste, Übernachtungen, Energie, Logistik, Technik oder eingesetzte Materialien.
Erst eine CO₂e-Bilanz zeigt, wo die tatsächlichen Emissionsschwerpunkte liegen und welche Maßnahmen wirklich etwas bewirken.
Was ist eine CO₂e-Bilanz?
Eine CO₂e-Bilanz erfasst die relevanten Treibhausgasemissionen einer Veranstaltung. Neben Kohlendioxid werden weitere Treibhausgase wie Methan oder Lachgas berücksichtigt. Da sie unterschiedlich stark auf das Klima wirken, werden sie in eine gemeinsame Einheit umgerechnet: CO₂-Äquivalente, kurz CO₂e.
Die Berechnung folgt einer einfachen Logik:
Aktivitäts- oder Verbrauchsdaten × Emissionsfaktor = CO₂e-Emissionen
Zu den Aktivitätsdaten gehören beispielsweise zurückgelegte Kilometer, Flug- und Bahnreisen, Stromverbrauch, Hotelübernachtungen, Lebensmittelmengen, Transporte, eingesetzte Materialien sowie Abfallmengen.
Entscheidend sind klar festgelegte Bilanzgrenzen. Nur wenn alle wesentlichen direkten und indirekten Emissionsquellen berücksichtigt werden, entsteht ein belastbares Gesamtbild.
Wo entstehen die Emissionen eines Events?
Die Schwerpunkte unterscheiden sich je nach Veranstaltungsformat. Eine regionale Tagung verursacht andere Emissionen als eine internationale Messe, ein Sportevent oder eine mehrtägige Kundenveranstaltung.
Typische Bilanzierungsbereiche sind:
- Mobilität: An- und Abreise, Shuttleverkehre und Logistik
- Location und Energie: Strom, Wärme, Kühlung und temporäre Energieversorgung
- Catering: Lebensmittel, Getränke und Lebensmittelabfälle
- Technik und Produktion: Licht, Ton, IT und Streaming
- Übernachtungen: Hotelkategorien und Aufenthaltsdauer
- Materialien: Messebau, Ausstattung, Druckprodukte und Give-aways
- Abfall: Mengen, Fraktionen, Transport und Verwertung
Gerade die Mobilität gehört bei vielen Veranstaltungen zu den größten Emissionstreibern. Eine belastbare Bilanz betrachtet jedoch die gesamte Wertschöpfungskette – einschließlich Gütern, Dienstleistungen, Materialien und Entsorgung.
Was haben Tennisbälle mit einer Klimabilanz zu tun?
Ein anschauliches Beispiel liefert ein bedeutendes Damen-Tennisturnier der WTA-500-Serie. Dort wurde erstmals eine umfassende Emissionsmessung durchgeführt – einschließlich der eingesetzten Tennisbälle.
Da kein standardisierter CO₂e-Fußabdruck für einen Tennisball vorlag, wurden die 9.640 gespielten Bälle anhand ihrer Materialbestandteile bilanziert.
Das Ergebnis:
Rund 7,5 Tonnen CO₂e allein durch die Tennisbälle.
Ein einzelner Ball wirkt unbedeutend. In der Summe können Herstellung, Materialeinsatz und Stückzahl jedoch einen relevanten Anteil an der Gesamtbilanz ausmachen.
Nachhaltige Eventplanung bedeutet deshalb mehr als weniger Plastikbecher, regionale Snacks oder einen Hinweis auf die Bahnanreise. Es geht darum, die gesamte Veranstaltung zu betrachten und die tatsächlich wirksamen Hebel zu erkennen.
Warum sollte die Bilanz bereits bei der Planung beginnen?
Eine nachträgliche Bilanz zeigt, was passiert ist. Noch wertvoller wird sie, wenn die voraussichtlichen Emissionen bereits in die Planung einfließen.
Dann lassen sich beispielsweise:
- Locations und Verkehrsanbindungen vergleichen,
- Mobilitätskonzepte frühzeitig anpassen,
- Anforderungen in Ausschreibungen und Briefings integrieren,
- emissionsärmere Cateringvarianten auswählen,
- Materialmengen und Transporte reduzieren,
- konkrete Reduktionsziele festlegen.
Kennzahlen wie CO₂e pro teilnehmender Person, der Mobilitätsanteil oder die Veränderung gegenüber einer Referenzveranstaltung machen unterschiedliche Events vergleichbar. Aus einer einmaligen Berechnung entsteht so ein Steuerungsinstrument für zukünftige Entscheidungen.
Belastbare Daten statt riskanter Umweltversprechen
Eine CO₂e-Bilanz gewinnt auch für die Kommunikation an Bedeutung. Mit der europäischen EmpCo-Richtlinie werden die Anforderungen an verbrauchergerichtete Umweltaussagen weiter verschärft. Die neuen Vorgaben gelten ab dem 27. September 2026. Allgemeine Aussagen wie „grün“, „umweltfreundlich“ oder „klimafreundlich“ dürfen dann nicht ohne ausreichende Konkretisierung und belastbare Grundlage verwendet werden.
Für die Eventkommunikation bedeutet das: Statt pauschaler Nachhaltigkeitsversprechen braucht es nachvollziehbare Daten, klar benannte Bilanzgrenzen und konkrete Reduktionsmaßnahmen. Eine CO₂e-Bilanz schafft dafür eine wesentliche Grundlage – ersetzt jedoch nicht die rechtliche Prüfung der jeweiligen Werbeaussage.
Was bringt eine CO₂e-Bilanz Ihrem Unternehmen?
Eine professionelle Eventbilanz schafft:
Transparenz: Sie erkennen die größten Emissionsquellen.
Prioritäten: Budgets und Maßnahmen konzentrieren sich auf die wirksamsten Hebel.
Vergleichbarkeit: Wiederkehrende Veranstaltungen lassen sich bewerten und weiterentwickeln.
Planungssicherheit: Daten fließen frühzeitig in Ausschreibungen, Briefings und Budgets ein.
Belastbare Kommunikation: Ergebnisse und Fortschritte können nachvollziehbar dargestellt werden.
Denn auch bei Nachhaltigkeitsaussagen gilt: Eine Aussage ist nur so belastbar wie die Daten, auf denen sie beruht.
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Der Rechner bietet eine erste Orientierung. Eine belastbare Bilanz erfordert darüber hinaus klar definierte Bilanzgrenzen, vollständige Aktivitätsdaten, geeignete Emissionsfaktoren und eine fachgerechte Auswertung.
Von der Berechnung zur wirksamen Reduktion
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Dabei geht es nicht nur um eine Zahl am Ende der Veranstaltung. Entscheidend ist, aus den Ergebnissen die richtigen Maßnahmen für die nächste Planung abzuleiten.
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Denn was man nicht misst, kann man nicht gezielt steuern.

