Wenn Entwickler selbst über Risiken sprechen
Aktuell zeigt sich besonders deutlich, dass die Diskussion über Künstliche Intelligenz nicht nur von Chancen geprägt ist. Anthropic, Entwickler des KI-Systems Claude, beschreibt laut Reuters in seinem eigenen Börsenprospekt mögliche Risiken hochentwickelter KI – darunter die Manipulation oder Verheimlichung von Informationen, Widerstand gegen Abschaltung und im Extremfall sogar „katastrophale oder existenzielle Risiken für die Menschheit“.
Wenn selbst die Entwickler leistungsfähiger KI-Systeme so intensiv über Kontrolle, Sicherheit und Grenzen sprechen, sollten auch Unternehmen genauer hinschauen, wie und wofür sie KI einsetzen.
KI ist längst Teil des Veranstaltungsalltags
In der Veranstaltungswirtschaft ist KI bereits angekommen: Sie schreibt Texte, entwickelt Konzepte, erstellt Bilder und Videos, unterstützt Teilnehmerkommunikation und Matchmaking, analysiert Daten und automatisiert Marketing- und Organisationsprozesse. Zunehmend kommen KI-Agenten hinzu, die mehrstufige Aufgaben selbstständig bearbeiten und auf andere Systeme zugreifen können.
Damit verändert sich auch die Fragestellung. Es geht nicht mehr nur darum, was KI technisch kann, sondern zunehmend darum, was sie können darf und unter welchen Bedingungen wir sie einsetzen wollen.
Je größer die Wirkung, desto wichtiger die Kontrolle
Es macht einen erheblichen Unterschied, ob eine KI einen Einladungstext formuliert oder Teilnehmerdaten analysiert, VIPs klassifiziert oder Zugriff auf CRM, Ticketing, Event-App, Buchungs- oder Zahlungssysteme erhält.
Aus „Schreib mir eine Mail“ kann schnell „Organisiere diesen Prozess“ werden. Dann produziert ein Fehler nicht nur einen falschen Text – das System kann tatsächlich Handlungen auslösen. Deshalb müssen Zugriffsrechte, Verantwortlichkeiten und Kontrollmechanismen klar geregelt sein.
Für Veranstalter, Agenturen, Locations und Eventdienstleister stellen sich damit ganz konkrete Fragen: Welche Daten dürfen in KI-Systeme eingegeben werden? Welche Ergebnisse müssen Menschen prüfen? Welche Entscheidungen sollen grundsätzlich beim Menschen bleiben? Was passiert bei Fehlern oder Ausfällen? Und wie weit dürfen KI-Agenten auf Unternehmenssysteme zugreifen?
AI Act: KI-Kompetenz ist mehr als gutes Prompting
Auch regulatorisch ist die Experimentierphase vorbei. Der europäische AI Act verpflichtet Unternehmen bereits dazu, sich mit der KI-Kompetenz ihrer Mitarbeitenden auseinanderzusetzen.
Dabei geht es um deutlich mehr als die Frage, wie man gute Prompts schreibt. Mitarbeitende sollten auch wissen, welche Daten nicht in KI-Systeme gehören, wann Ergebnisse überprüft werden müssen und in welchen Situationen einer KI nicht ungeprüft vertraut werden sollte. Hinzu kommen Transparenzpflichten für bestimmte KI-Systeme und KI-generierte Inhalte.
Auch Nachhaltigkeit gehört in die Bewertung
KI kann helfen, Prozesse zu optimieren, Mengen besser zu planen, Transporte zu koordinieren oder Daten schneller auszuwerten. Gleichzeitig benötigt sie Rechenzentren, Energie, Kühlung, Chips und digitale Infrastruktur.
Deshalb sollte die Frage nicht ausschließlich lauten: Wie viel Zeit oder Geld spart eine KI-Anwendung? Ebenso relevant ist, ob ihr tatsächlicher Mehrwert den zusätzlichen Ressourcenverbrauch rechtfertigt. Gerade für eine Branche, die sich intensiv mit Nachhaltigkeit und Klimawirkungen beschäftigt, gehört auch diese Perspektive zur verantwortungsvollen Bewertung von
12 Fragen für einen verantwortungsvollen KI-Einsatz
Zur ersten Orientierung hat 2bdifferent den kostenfreien KI-BasisCheck Veranstaltungswirtschaft entwickelt.
Mit zwölf Fragen betrachtet der Check fünf zentrale Bereiche:
Zweck & Nutzen · Daten & Datenschutz · Entscheidungen & Verantwortung · Systeme & Sicherheit · Transparenz, Kompetenz & Nachhaltigkeit
Damit lässt sich schnell erkennen, wo bereits klare Regeln bestehen und wo genauer hingeschaut werden sollte. Der BasisCheck ersetzt keine Rechts-, Datenschutz- oder IT-Sicherheitsprüfung – er bietet aber einen strukturierten Einstieg in die interne Auseinandersetzung mit dem eigenen KI-Einsatz.
Denn die entscheidende Frage ist längst nicht mehr, ob die Veranstaltungswirtschaft KI einsetzen wird. Entscheidend ist, wie wir sie einsetzen – und welche Grenzen wir uns dabei selbst setzen.
Mehr erfahren und KI-BasisCheck Veranstaltungswirtschaft kostenfrei herunterladen:
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